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Zeitarbeit bietet qualifizierten Jobstartern Chancen die sie anderswo so nicht bekommen. In wenigen Jahren sammeln junge Spezialisten unterschiedliche Erfahrungen. Ein Lobgesang auf die Zeitarbeit. Von Jens Gieseler…

Motoren und Autos sind das Ding von Robert Spermann. Bei Rheinmetall, Daimler und Horex hat der Wirtschaftsingenieur während seines Studiums an der FH Schweinfurt seine Praktika absolviert.

Doch nach dem Abschluss war ihm unklar, ob es zu einem Automobilkonzern oder einem mittelständischen Zulieferer mit den jeweils unterschiedlichen Arbeitsstrukturen gehen sollte. So kam der 27-jährige Heilbronner zum Personaldienstleister Hays, der ausschließlich Spezialisten vermittelt – sei es in Festanstellung, in Projekte oder auf Zeit.

Zeitarbeit hat für viele Menschen einen schlechten Beigeschmack. Niedriger Lohn und kaum Chancen auf langfristige Übernahme, so die vorherrschende Meinung. Qualifizierte Arbeitskräfte wie IT-Spezialisten, Ingenieure oder Naturwissenschaftler machen völlig andere Erfahrungen mit der Arbeitnehmerüberlassung: Denn Unternehmen suchen händeringend entsprechende Fachleute.

2% Arbeitslose unter Ingenieuren, praktisch Vollbeschäftigung

Beispiel Ingenieure: In der Hays-Studie „Flexible Arbeitswelten für Ingenieure“ gaben 76 Prozent der Unternehmen an, dass qualifizierte Ingenieure schwer zu finden sind. Und der Verein deutscher Ingenieure (VDI) meldete Ende vergangenen Jahres eine Arbeitslosenquote von lediglich knapp über zwei Prozent.

Spermann hat sich von dem miesen Leumund der Arbeitnehmerüberlassung nicht abschrecken lassen, sondern sieht die Chance, Unternehmen und Tätigkeiten für sich zu testen. Seit einem Jahr arbeitet er bei einem Automobilhersteller. In dem zweijährigen Projekt konzipiert er im Team Anlagen, plant die technische Ausgestaltung und Beschaffung der notwendigen Maschinen sowie Werkzeuge und strukturiert den gesamten Prozess.

Dass er eine externe Arbeitskraft ist, spielt im alltäglichen Umgang mit seinen festangestellten Kollegen keine Rolle. „Entscheidend ist, dass ich meine Aufgaben erfolgreich erfülle“, erzählt er. Zur kollegialen Zusammenarbeit gehöre auch, dass er sich wie jeder andere Berufsanfänger Unterstützung holen könne, wenn es notwendig sei. Die interdisziplinäre Tätigkeit der Produktionsplanung interessiert ihn auch langfristig. Ein internationales Projekt dürfe es auch noch mal sein.

Leistungsdruck, ein Anreiz?

Hays beschäftigt 3000 fest angestellte Spezialisten im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung – quer durch alle Berufsgruppen, davon 800 Berufsanfänger und Juniors wie Robert Spermann. „Wer sich den Leistungsdruck zielorientierter Projektarbeit zutraut“, sagt Markus Ley, Geschäftsführers der Hays Temp GmbH, „der lernt in der Arbeitnehmerüberlassung unterschiedliche Firmen und verschiedene Tätigkeiten kennen und verfügt innerhalb kurzer Zeit über eine vielfältige Berufserfahrung.“

„Lückenloser Lebenslauf, viele Projekte, ein Arbeitgeber“

Dagegen vermittelt die Frankfurter SThree Holding qualifizierte Zeitarbeiter nicht in Projekte, sondern lieber als Interimslösung, die vor allem Routinetätigkeiten erledigen. Denn Direktor Alex Gerrtisen macht Sorgen, dass die Universitätsabgänger immer jünger werden, lediglich ihre Pflichtpraktika absolvieren und sehr theorielastig ausgebildet werden.

Als weitere Vorteile der Spezialisten-Arbeitnehmerüberlassung nennt Ley, dass Personaldienstleister als kontinuierlicher Arbeitgeber einen strukturierten Lebenslauf sichern und ihre Angestellten fachlich wie methodisch weiter bilden, so wie es die Tätigkeit bei dem auftraggebenden Unternehmen erfordere.

Marktdynamik, Flexibiltät

Dass diese Dienstleistungen bei den Unternehmen auf Interesse stoßen, ist angesichts dynamischer Märkte und notwendiger Flexibilität verständlich. Aktuell beträgt der Anteil externer Ingenieure laut Studie in drei Viertel der befragten Firmen bis zu zehn Prozent. Mehr als ein Drittel setzte externe Ingenieure im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ein. Vier Jahre zuvor waren es nur 23 Prozent.

Ingenieure in der Arbeitnehmerüberlassung sehen vor allem drei Vorteile:

  1. Einblicke und Erfahrungen in unterschiedliche Bereiche und Unternehmen (42 Prozent),
  2. Übernahmemöglichkeiten durch die Unternehmen (41 Prozent) und schließlich die
  3. Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen (34 Prozent).

Trotzdem sind sie ambivalent, was ihre Arbeitssituation angeht. Zwar sind drei Fünftel zufrieden oder sehr zufrieden, dennoch würden 71 Prozent der Befragten in die traditionelle Festanstellung wechseln, wenn sich diese Option böte. Ein Grund dafür sei das schlechte Image, das die Zeitarbeit nach wie vor habe, findet Ley.

Unternehmen und Gesellschaft seien angesichts dieser Diskrepanz gefordert: „Es ist an der Zeit, Mitarbeitern in Arbeitnehmerüberlassung endlich die gebührende Wertschätzung und Anerkennung zukommen zu lassen, denn sie bilden längst eine feste Größe in der Arbeitswelt.“

Artikelbild: VGstockstudio/ Shutterstock

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