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Besitz ist relativ, Haben out. Früher waren es Statussymbole, die glücklich machen. Heute ist es das Teilen mit möglichst vielen, unterschiedlichen Leuten. Die Sharing Economy revolutioniert bisherige Geschäfte. Für alle, die etwas haben, etwas abgeben wollen und ab und zu damit auch noch Geld verdienen wollen…

Das größte Taxiunternehmen der Welt – gemessen an der Flottengröße  – besitzt keinen einzigen Wagen, die größte Hotelkette kein einziges Bett. Uber und Airbnb prägen das Bild der sogenannten Sharing Economy. Und sie pervetieren es mit einigen Kontroversen. Denn es sind nicht bloß Gutmenschen, die hier ihre Bohrmaschine für ein paar Stunden ausleihen (max. Betriebszeit etwa 14 Minuten ein ganzes Leben). Dahinter stecken Großkonzerne im Netz, groß geworden aus Garagenverbünden, mittlerweile Milliarden-schwer und das fast ausschließlich in den USA.

Hierzulande bemängeln Politiker dass es in diesem Bereich auf EU-Ebene noch keine klare Rechtslage gibt. Der Europäische Ausschuss der Regionen (AdR) ist die erste EU-Institution, die eine formale Position zum Thema verabschiedet; darin erklären die Entscheidungsträger der Städte und Regionen warum die Sharing Economy gefördert aber auch besser reguliert werden sollte, um Rechtssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, allerdings ohne Innovation zu ersticken.

Kultur des Teilens

Die Wirtschaft des Teilens, die Sharing Economy, basiert auf der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen mittels Plattformen; zwar ist das Konzept des Teilens innerhalb von Vereinen, Familien und unter Freunden altbekannt, aber die digitale Entwicklung unserer Zeit eröffnet ganz neue Perspektiven für die Kultur des Teilens – sowohl mit Blick auf die Wirtschaft als auch auf neue Formen der Governance und Gemeingüter. Benedetta Brighenti, stellvertretende Bürgermeisterin von Castelnuovo Rangone, stellt fest:

„Die Wirtschaft des Teilens wird immer wichtiger. volkswirtschaftlich“

Sie kann die Lebensqualität verbessern, das Wachstum und die Beschäftigung vor allem auf der lokalen Ebene fördern und die Umweltbelastung durch Unternehmen und Verbrauch verringern. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass Gewinn erzielende Plattformen der Sharing Economy diese neue Unternehmensform zur Steuervermeidung und zur Umgehung von Vorschriften in den Bereichen Kartellrecht, soziale Sicherheit und Verbraucherschutz missbrauchen. Wir brauchen einen ganzheitlichen und koordinierten Ansatz auf europäischer Ebene, der den ambivalenten Charakter der Wirtschaft des Teilens berücksichtigt.“

Die Sharing Economy hat viele unterschiedliche Ausprägungen und Modalitäten in den verschiedenen Regionen und Städten Europas, erklärt die Europabeauftragte und Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund Hella Dunger-Löper:

„In Berlin hat die Sharing Economy eine lange Tradition, erinnert sei nur an die Tradition der Genossenschaften, sowohl im Wohnungsbau, wie auch in anderen Bereichen, die nach dem Fall der Mauer wieder aufgelebt sind. Aber auch neue Formate wie Car- oder Bike- Sharing setzten sich durch und sorgen für Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit.“

Angesichts der Pläne der Europäischen Kommission zur Entwicklung einer europäischen Agenda für die Wirtschaft des Teilens bzw. die partizipative Wirtschaft bis einschließlich 2016 unterstreichen die AdR-Mitglieder, dass die neuen Vorschriften nicht zu streng oder zu weitreichend sein sollten, so dass sie wirtschaftliche Innovation total ersticken. Weiters betonen sie, dass eine europäische Regulierung dann sinnvoll ist, wenn es sich um Fälle von grenzüberschreitender oder binnenmarktspezifischer Relevanz handelt.

Ansonsten sollten die Behörden auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene berechtigt sein, die Vorschriften an die Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort anzupassen um zum Beispiel SE Modelle in strategischen Bereichen wie nachhaltige Mobilität und Tourismus, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Umwelt fördern können.

Artikelbild: Zerbor/ Shutterstock

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