Keine Zeit zum Lesen? Mach' dir nen Kaffee und gönne dir 3 Minuten...

Talente finden (und binden), die Aufgabe der Personaler. Doch wie beurteilt ein Unternehmen die Qualifikationen der Bewerber dabei neutral, ohne Bias durch Herkunft oder Geschlecht? Ein Start-Up versucht diesen Knoten zu lösen…

Diskussionen um die Frauenquote, Gleichbehandlung und Integration stellen Unternehmen vor die Herausforderung, Auswahlverfahren zu finden, die geeignete Kandidaten filtern und dabei eine faire Behandlung aller Bewerber in den Fokus stellen. Wie wäre es da mit einer Kombination von Testergebnissen und Jobvalidierungen, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder sozioökonomischem Hintergrund.

Darauf hat das Start-up Talerio eine Antwort. Das Onlineportal – gegründet von Daniel Barke und Marlon Litz-Rosenzweig – nutzt ein ausgeklügeltes Selektionsverfahren, um die Eigenschaften und Talente einzelner Kandidaten zu evaluieren und darzustellen. Clou ist, dass mit Hilfe eine eigens entwickelten Tests und real abgeschlossenem Job die Angaben des Lebenslaufs verifiziert werden.

Unternehmen können dann Kriterien festlegen, die für eine vakante Jobposition essenziell sind, und die Datenbank durchsuchen. Angezeigt werden ihnen anonymisierte Kandidaten, die diesem Profil entsprechen. Ein erster Schritt, die soziale Mobilität in Deutschland und bald auch weltweit zu steigern.

Verifizierte Angaben mit Eigenschaftsprofil

Mehr als 35.000 Kandidaten sind derzeit auf dem Portal zu finden und täglich kommen mehr als 150 hinzu. Alle haben bei der Anmeldung einen Lebenslauf erstellt. Dieser wurde auf zwei Ebenen verifiziert – einmal durch einen spezifisch konzipierten Test und zum anderen durch erfolgreich abgeschlossene Jobs von Mylittlejob, ein Portal, das ebenfalls von Barke und Litz-Rosenzweig gegründet wurde.

„Nix versprechen, was du nicht halten kannst“

Mylittlejob vermittelt Onlinejobs wie Übersetzungen, Recherchen oder Texterstellung auf Basis von Datenauswertungen. Gibt ein Kandidat an, fließend Englisch zu sprechen, wird dies anhand der erfolgreich absolvierten Jobs und über den Test, den die Kandidaten machen müssen, geprüft und bestätigt.

Auf einer zweiten Ebene steht ein eigens konzipierter Test, der in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Lars Jansen, Experte im Bereich Human Ressource Management, und Martin Schonger von der ETH Zürich erstellt wurde. Unter anderem liegen die Experimente von Nobelpreisträger James Heckmann, die zeigen, dass nonkognitive Fähigkeiten ausschlaggebend für beruflichen Erfolg sind, diesem Test zugrunde.

Datenbank von Elite-Uni

Außerdem finden Forschungsergebnisse zu Themen wie unbewusste Entscheidungen, kognitive Reflektion, nonkognitive Fähigkeiten oder Social Value Orientation Anwendung. So wird ein Eigenschaftsprofil erstellt, das jeden einzelnen Kandidaten individuell beschreibt und in Kombination mit Mylitteljob seine Fähigkeiten nachweislich darstellt.

Mit dieser Datenbank im Hintergrund ist es Unternehmen nun möglich, eine Suche zu erstellen, die Fachwissen und Eigenschaften wie zum Beispiel Ehrgeiz und Teamfähigkeit berücksichtigt. Innerhalb von acht Sekunden präsentiert Talerio anonymisierte Profile geeigneter Kandidaten. Die Unternehmen können dann über die Plattform mit den Kandidaten in Kontakt treten und ein Jobangebot unterbreiten.

Wer nicht direkt suchen möchte, kann auch eine, auf ein bestimmtes Bewerberprofil zugeschnittene Anzeige im Portal schalten und diese so aussteuern, das sie nur Talenten mit den gesuchten Eigenschaften angezeigt wird.

„Kampf der Talente“

„Im Kampf um die besten Talente bietet Talerio einen entscheidenden Vorteil“, erklärt Gründer Marlon Litz-Rosenzweig. „Unternehmen können gezielter auswählen und dabei Talente entdecken, die im herkömmlichen Bewerbungsprozess, zum Beispiel durch ein schlechtes Abiturzeugnis, durch das Raster gefallen wären.“

Der Vorteil für die Kandidaten: Sie können durch ihre Leistungen überzeugen, mit ihren individuellen Fähigkeiten punkten und sparen sich den Bewerbungsstress. Bei Talerio werden sie nämlich kontaktiert. Es gibt aber auch eine Option, sich mit einem Klick auf eine Stelle zu bewerben. So einfach war das Bewerben noch nie.

Übrigens zeigen Forschungsergebnisse aus den USA*, dass bis zu 25 % bessere Ergebnisse in der Personalauswahl erzielt werden können, wenn dabei Daten verwendet und dadurch die Kandidatenpotenziale quantifizierbar und vergleichbar gemacht werden. Bei einem Milliardenmarkt in Deutschland allein ist das eine beträchtliche Summe.

Im nächsten Schritt will Talerio auf 100.000 Studenten wachsen und insbesondere Talente aus Südeuropa und Südamerika für die Plattform begeistern. So sollen Kandidaten und Unternehmen grenzübergreifend zusammengebracht werden. Globales Recruiting basierend auf validen Daten.

* 25 % bessere Kandidaten; vgl. Kuncel, Nathan, Klieger, David und Ones, Dennis (2014): Algorithmus statt Intuition. In: Harvard Business Manager, Juli 2014, S. 14–15.

Artikelbild: baranq/ Shutterstock
Teilen
Wir beleuchten die verschiedensten Aspekte, Ansätze und Ideologien rund ums Thema Karriere. Mit unseren Reportagen, Berichten und Interviews, Ratgebern wie Buchauszügen: Werteorientiert. Meinungsstark. Crossmedial.

Kommentieren