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Was treibt Schüler dazu, für Gott in den Krieg zu ziehen? Das Theater Konstanz, Deutschlands am längsten bespielte Bühne, geht dieser Frage in einem inszenierten Klassenzimmer nach. Angefangen beim Schwimmunterricht, über Sexualkunde bis zum eskalierenden Konflikt zwischen Lehrern, Schülern und ihren Eltern…

Seit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 haben sich die Fronten zwischen säkularer und religiöser Weltanschauung erneut verschärft. In der westlichen Welt leidet besonders der Islam unter dem Verdacht der Radikalität. Was aber, wenn ein junger Mensch im christlichen Glauben seinen Wegweiser sieht und diesen ernster nimmt als seiner Umwelt lieb ist?

Benjamin Südel verweigert den Schwimmunterricht – aus religiösen Gründen. Seine Mutter kann das nicht ganz ernst nehmen und vermutet, dass Drogen dahinterstecken. Doch sein Bekenntnis zum Christentum untermauert Benjamin durch situationsbezogene Bibelzitate.

Provokation und Protest

In der Schule provoziert er mit den dazugehörigen Handlungen: Im Sexualkundeunterricht zieht er sich aus, und in Biologie kommentiert er die Evolutionstheorie im Affenkostüm. Die Auseinandersetzung mit seiner Lehrerin Frau Roth endet immer wieder mit der Vorladung beim Schuldirektor, der Benjamins Verhalten als pubertäre Launen abtut.

„Außenseiter?“

Einzig Frau Roth ist ernsthaft besorgt um ihren Schüler. Doch ihr Versuch zu helfen, katapultiert sie in die Schusslinie des Konflikts. Sie wird zur Einzelkämpferin. Benjamin hingegen findet in Außenseiter Georg einen Anhänger, und auch bei Klassenkameradin Lydia kann er mit seinen Ansichten landen, bis der Konflikt gewaltsam eskaliert.

In grotesken Szenen nimmt das Stück des mehrfach ausgezeichneten Dramatikers Marius von Mayenburg den Apparat Schule aufs Korn und entlarvt die Angst vor dem »Anderen« als unbewusste Konstante einer vermeintlich toleranten Gesellschaft.

Artikelbild: Andrejs Zavadskis/ Shutterstock

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