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Zahlst noch Studiengebühren? In Baden-Württemberg wurden sie bereits wieder abgeschafft, im Ausland sind sie bereits an einer staatlichen Schule schnell im fünfstelligen Bereich. Viele Konzerne fördern ihre Top-Talente bereits während ihres Studiums. Finanziell und auch ein bisschen idell, ist dieses Engagement doch für beide Seiten nützlich. Wir haben uns im Frankfurter Raum bei Konzernen umgehört. Von SAP über K+S bis E&Y…

Die Industrie ist bereit, Geld in die Hand zu nehmen, zum Beispiel in Form von Patenschaften für Studenten oder um Fonds aufzubauen, die jene Studenten unterstützen, bei denen finanzielle Hilfe notwendig ist. So sagte es der Ex-Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann.

Unternehmen wollen verstärkt sogenannte „Candidate Relationship Managements“ aufbauen, mit denen frühzeitig Kontakte zu Nachwuchskräften in der eigenen Firma gewonnen werden können. Bisher wurden Kontakte zu Studierenden über Workshops, Messen und Praktika geknüpft. Vereinzelte Firmen übernehmen bereits die zusätzliche Campus-Maut für ihre Mitarbeiter und solche, die es werden können.

Stipendium statt Maut: 500€ pro Semester aufwärts

Seit dem Sommersemester 2007 zahlt der Autobauer Volkswagen rund 500 Studenten, die in dem Unternehmen parallel ihre Ausbildung absolvieren, die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester. In diesem Jahr werden nach eigenen Angaben mehr als 250 hinzukommen. „Wer neben seinem Studium eine anspruchsvolle Ausbildung bei Volkswagen übernimmt, kann schon aus zeitlichen Gründen kein Geld für Studiengebühren hinzuverdienen“, erklärt Dr. Horst Neumann, Personalvorstand bei VW.

Die Studiengänge umfassen Fachrichtungen wie Maschinenbau, Fahrzeuginformatik, Betriebswirtschaft, Logistikmanagement, Materialwirtschaft, Technischer Vertrieb und Wirtschaftswissenschaften.

Talent Management vom Nachwuchs

In Zeiten von zunehmendem Fachkräftemangel, versuchen Unternehmen insbesondere im Ingenieursbereich, die Führungskräfte von morgen früh an sich zu binden. Besonders verbreitet sind Finanzhilfen für Studenten bei Unternehmen, die ihre praktische Ausbildung mit einem wissenschaftlichen Studium verbinden.

„Wir machen das gern“

So auch beim Kasseler Düngemittelriese K+S, der bereits seit mehreren Jahren die Studiengebühren für die duale Ausbildung seiner Betriebswirte, Wirtschaftsinformatiker und Logistiker übernimmt.

„Wir machen das gern, weil gute Leute nun mal eine gute Ausbildung brauchen“, sagte Sprecher Ulrich Göbel.

Mindestens drei Jahre beim Unternehmen

K+S will damit rechtzeitig genug qualifizierte und leistungsbereite Nachwuchskräfte mit ins Boot ziehen. Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sind ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. „Deshalb sind wir auch bereit, den dafür erforderlichen Aufwand als Investition in die Zukunft zu übernehmen“, erklärt Göbel.

K+S verbindet die Finanzhilfe wie andere Firmen mit einer Bedingung: Die Studenten sollen nach dem Studium für drei Jahre beim Unternehmen arbeiten – ansonsten müssen sie die Förderung anteilig zurückzahlen. Bislang haben Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen eingeführt.

Geld für Mensa und Wohnheim im Studium, danach Job-Angebot

Wenn Studierende durch Nebenjobs oder Werkverträge ihr Studium bezahlen, bleibt wenig Zeit zum Lernen beim Abstottern der Gebühren. Der Bundesverband der Deutschen Industrie befürwortet ein Sponsoring von Studierenden, die sich im Vorhinein bereits verpflichten, eine festgelegte Zeit im Unternehmen zu verbringen, dass das eigene Studium finanziell unterstützt. Das hat sich mittlerweile auch bei den sogenannten „Big Four“ herumgesprochen, den Umsatz-stärksten Wirtschaftsprüfern in Deutschland: Deloitte, KPMG, PwC und Ernst & Young.

Der duale Studentz bei E&Y, in diesem Beispiel Sven, hat Aussicht auf eine Anstellung nach seinem Studium und das Unternehmen sichert sich Fachpersonal. Die Studiengebühren sind wie ein Vertrag zwischen Universität und Kunde, der für seine Ausbildung bezahlt was er bekommt.

„Ob die Studierenden das Geld von Dritten erhalten, liegt im Bereich ihrer persönlichen Entscheidungshoheit“, sagt Michael Schwarz, Pressesprecher der Universität Heidelberg. Auch der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, Ausbildung und Studium zu kombinieren.

Lebenslanges Lernen – auch nach Uni oder Berufsakademie

Die Übernahme von Studiengebühren außerhalb des Hauses ist derzeit jedoch wie beim Pharmahersteller Roche Diagnostics in Mannheim nicht geplant. Lediglich ein Abschluss an den kooperierenden Hochschulen in der Metropolregion Rhein-Neckar wird bislang finanziell gefördert. „Um ein berufsbegleitendes Studium außerhalb des Unternehmens zu ermöglichen, werden mit dem Mitarbeiter individuelle Vereinbarungen getroffen“, erklärt BASF-Pressesprecherin Andrea Hoffmann.

Bestandteil dieser Vereinbarung seien zum Beispiel eine Freistellung für Studienabschnitte oder ein Darlehen des Unternehmens.Workshops und Praktika im Ausland als AppetizerÄhnlich verhalten gibt man sich beim Softwarekonzern SAP in Walldorf, der bisher keine Studiengebühren seine SAP „FastTrack“-Kandidaten übernimmt. Statt eine Menge Geld für das ganze Studium auszugeben, will man hier lieber Studierende durch kostenlose Workshops oder die Vermittlung von Auslandspraktika anlocken, die wiederum großzügig honoriert werden.

Artikelbild: Minerva Studio/ Shutterstock

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