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Heute Abend wurden in den USA die beiden letzten Folgen der beliebten Sitcom „How I Met Your Mother“ ausgestrahlt. Endlich können die Fans sehen, wie sich Hauptdarsteller Ted Mosby und „die Mutter“ zum ersten Mal trafen. Das Porträt unserer Generation ist vollendet…

Seit fünfeinhalb Jahren verfolgen wir gebannt die Geschichte des jungen New Yorker Architekten Ted Mosby. In 200 Folgen hat er seinen Kindern und uns erzählt, wie er ihre Mutter kennenlernte. Im Laufe seiner Geschichte verstrickt sich Ted in kleinere Liaisons, verliebt sich heftig, wird vor dem Altar stehen gelassen, richtet sich wieder auf, lernt neue Frauen kennen – bis schließlich die Mutter seiner zukünftigen Kinder vor ihm steht. Begleitet wird er dabei von einem unerschütterlichen Freundeskreis bestehend aus der Kindergärtnerin Lily, dem Juristen Marshall, der Fernsehreporterin Robin und dem Frauenheld Barney.

Wir haben Ted Mosby richtig ins Herz geschlossen. Wir haben mit ihm gejubelt und mit ihm gelitten. Wir haben ihm jede Woche gewünscht, dass endlich die Richtige um die Ecke kommt. Und gleichzeitig über unser eigenes Leben nachgedacht und uns gefragt, ob der perfekte Partner vielleicht auch nur einen Steinwurf weit entfernt wartet.

Ein simpler Plan: zufrieden sein

Ted Mosby war einer von uns. Er hat uns vor Augen geführt, wie wir wirklich sind und all denen, die uns nicht verstehen, gezeigt, worum es im Leben eines Anhängers der Generation-Y geht. Wir brauchen keinen perfekten Lebenslauf. Wir wollen glücklich sein können mit dem, was wir tun. Wir nehmen Umwege in Kauf. Wir kommen damit klar, wenn mal nicht alles nach Plan verläuft. Aber unser Plan ist ganz simpel: Wir wollen zufrieden sein. Genau wie Ted, Robin, Barney, Lily und Marshall. Jede Woche sind wir deswegen alle ein wenig süchtiger geworden – nach einem tollen Freundeskreis, dem Spaß am Leben, der großen Liebe und der Nebensächlichkeit des Berufs.

Job & Karriere stehen an zweiter Stelle

Jeder weiß, dass das Business schnelllebig ist, dass wir früh die Karriereleiter hochklettern müssen, um nichts zu verpassen. Aber wir wollen mehr Ruhe. Wir wollen gar nicht ganz oben ankommen. Die Mitte reicht uns. Auch die Journalistin Robin findet sich irgendwann damit ab, keine berühmte Nachrichtensprecherin auf dem ersten Kanal zu werden.

Lily bringt Familie und Beruf nach einigen Anlaufschwierigkeiten unter einen Hut, wagt Neues und gewinnt Lebensqualität. Marshall steckt zugunsten seiner Frau zurück. Der Beruf des Anzugträgers Barney wird erst gegen Ende der neunten Staffel enthüllt. Und selbst danach bleiben einige Fragen offen. Ob Barney selber so genau weiß, was er tut? Wir wissen heute auch manchmal nicht, was wir da eigentlich tun, wenn wir in der Beraterbranche als 25-Jährige großen Firmen raten, hundert Angestellte zu feuern.

Der Freundeskreis unserer Träume

Statt dem Beruf die Priorität einzuräumen, geht es in der Serie zu allererst um den Wert der Freundschaft. Und Ted hatte die besten Freunde, die man sich wünschen kann: Sie unterstützen sich, sie streiten und vertragen sich, sie verkuppeln einander. Auch wir wollen uns gerne jeden Abend im MacLaren’s Pub mit unseren Freunden treffen und den neuesten Klatsch und Tratsch austauschen und darauf trinken, dass das Leben nun mal so ist wie es ist.

Zu guter Letzt kommt die große Liebe

Und wenn wir genug getratscht und getrunken haben, stellen wir fest, dass sich in diesem Leben eigentlich doch alles um eins dreht: die große Liebe. Wir wollen genau wie der notorische Fremdgänger Barney irgendwann einfach zur Ruhe kommen und eine Robin heiraten. Wir wünschen uns nichts sehnlicher als danach so zu werden wie Lily und Marshall, die schon seit dem College ein Paar waren. Als schließlich ihr langersehnte Sohn kam, waren wir alle hin und weg. Denn eins ist jedem wichtig – ob wir es nun zugeben oder nicht: Wir möchten eine eigene Familie gründen. Wir möchten Sinn in unser Leben bringen.

„romantisch, kitschig und rührselig“

Die letzten Folgen – so viel darf man den deutschen Zuschauern verraten – werden romantisch, kitschig und rührselig. Und im Grunde genommen wollen wir ja genau das: Dass das Ende unserer wilden Zeiten so richtig schön rosarot wird. Und für alles, was danach kommt, wünschen wir uns einfach nur Ehrlichkeit – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Danke, Ted Mosby!

Artikelbild: Robert Kneschke/ Fotolia.com

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Julia Bernhard (geb. 1987, Bergner) ist Redakteurin bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Sie hat Neuere und Neueste Geschichte studiert und arbeitet derzeit berufsbegleitend an ihrer Dissertation an der Uni Marburg zum Thema: “Chadashoth Israel – die letzte deutschsprachige Tageszeitung in Israel”.

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