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Im Berufsleben passiert es immer wieder, doch nur wenige reden drüber: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Doch es geht um mehr als Sex auf dem Kopierer, überfallartiges Grabschen an Brüste oder Hintern. Meistens bleibt der Druck im Subtilen. Stefanie Hirsbrunner berichtet über ihre Erlebnisse aus der Glanz- und Glamourwelt eines Fünf-Sterne-Hotels…

Sexuelle Belästigung war für mich irgendwie immer die Vorstufe zur tatsächlichen Vergewaltigung und ein konfrontativer, sehr körperlicher Übergriff auf die Frau. Es war mir durchaus bewusst, dass Frauen in Deutschland das Recht haben, gegen sexuelle Belästigung bei der Arbeit vorzugehen und solche Vorfälle etwa anzuzeigen. Natürlich würden in solchen Fällen die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, ja bei schweren Vergehen sogar ihren Job verlieren.

Davon war ich überzeugt, und das hielt ich in der heutigen Zeit auch für selbstverständlich. Dennoch war der Begriff der sexuellen Belästigung in meinem Kopf ein kriminologischer Tatbestand, den ich mit meinem eigenen Leben überhaupt nicht in Verbindung brachte. Schließlich sprang niemand wollüstig und urplötzlich aus einer Nische des Hotelflurs hervor, um über mich herzufallen. Und unseren Gästen zu Diensten zu sein, auch wenn sie mich mit Anzüglichkeiten oder tatsächlich körperlich belästigten, das erschien mir sehr bald völlig normal – es war gang und gäbe.

Mit ungewollten Rosen fing es an

Doch dann ereignete sich etwas Ungewöhnliches: Ich bekam Blumen nach Hause geschickt. Langstielig, rot, mit einer anonymen Karte und zum Strauß gebunden. Es war relativ schnell klar, dass einer meiner älteren Kollegen der Absender war. Dieser Mann war eigentlich ein netter Kerl, gutherzig, ansprechbar und humorvoll. Er sah ganz passabel und gepflegt aus und – so stellte sich heraus – hatte wohl ernsthaft sein Herz an mich verloren.

Ein ungeschminkter Blick hinter die Fassaden eines Luxushotels. Weniger geeignet für Voyeure, sondern solche die investigative Aufklärung mögen. Buch kaufen

Man hätte also annehmen können, die Sache sei nicht so wild, und es hätte mich ja durchaus schlimmer treffen können. Womit ich allerdings überhaupt nicht zurechtkam, war die Tatsache, dass er fast dreißig Jahre älter war als ich. Er hatte vier Kinder, von denen zwei nur wenig jünger waren als ich, und die Art, wie er mich während der Arbeit ansah, fand ich widerlich. Nun, da er sich mit diesen Rosen offenbart hatte, gab er alles, um mich irgendwie für sich zu begeistern.

Ständig suchte er meine Nähe und teilte uns Praktikanten entsprechend ein. Er beteiligte sich plötzlich selbst an der tatsächlichen Vorbereitungsarbeit, was er sonst eher selten tat und daher ziemlich auffällig war. Meine Kollegen fingen an zu tuscheln und mich aufzuziehen. Sie lachten über die Situation und meine Ablehnung gegenüber seinen Annäherungsversuchen.

Es fiel mir immer schwerer, gegenüber diesem Kollegen freundlich zu sein, und es nervte mich wahnsinnig, wenn er so unbeholfen versuchte, mit mir zu flirten, wie es eben alte Männer tun. Wie sollte ich denn darauf auch reagieren? Ich wusste in der Hinsicht überhaupt keinen Rat, denn es war ja nicht so, dass er sich mir gegenüber mit deutlichen Worten oder einer Frage offenbart hatte.

Erster Gang zur Personalabteilung

Dann hätte ich einfach sagen können: »Nein danke, ist nett gemeint, aber ich bin nicht interessiert.« So aber schlich er, wann immer es möglich war, um mich herum und brachte mich in die unmögliche Situation, letztendlich als naiv und gegebenenfalls sogar unglaubwürdig dazustehen, würde ich das Ganze ansprechen. Er könnte ja dann einfach behaupten, ich kleines Mädchen bilde mir da gehörig was ein.

Auf der Karte, die mitsamt den Rosen angekommen war, hatte auch nur ein Valentinstagsgruß, nicht aber sein Name gestanden. Auch reagierte ja nun nicht jeder Mann verständnisvoll und freundlich auf eine Zurückweisung, weshalb ich fürchtete, dass dann mein Arbeitsalltag, der ja, wenn wir zusammen Dienst hatten, komplett in seinen Händen lag, zum Spießrutenlauf werden könnte.

Dass so viele Kollegen jetzt schon über mich lachten, war mir unglaublich peinlich. Und so entschloss ich mich schließlich doch, im Personalbüro vorzusprechen und darum zu bitten, meinen Dienstplan von dem des Kollegen erst einmal zu trennen.  Ich erwähnte die Rosen und dass ich Anlass zu der Annahme hatte, sie kämen von ihm. Das sei mir sehr unangenehm.

„Rot angelaufen“

Die Personaldame entließ mich jedoch relativ kurz angebunden mit dem Hinweis, ich solle diese Probleme doch bitte, solange ich keine Beweise hätte, intern in meiner Abteilung klären. Also suchte ich das Gespräch mit Landeck. Er lachte amüsiert, als ich ihm mein Problem vortrug. Er hatte wohl erkannt, dass ich ein wenig hysterisch reagierte und besagter Kollege keine akute Gefahr für meine körperliche Unversehrtheit darstellte.

Sein Lachen ließ mich dennoch rot anlaufen. War das jetzt total albern von mir, um diese Dienstplan-Trennung zu bitten? Ja klar, der Typ war eigentlich nett. Bisher hatte ich gern Dienst mit ihm gehabt und auch schon viel mit ihm gelacht. Er war Raucher wie ich und verschaffte mir so manches Mal eine zusätzliche Pause auf dem Innenhof, und wahrscheinlich wirkte meine Bitte deshalb einfach überzogen.

 Neugierig wie es weitergeht? Dann Teile 2 und 3 lesen…

Über die Autorin: Stefanie Hilsbrunner ist gelernte Hotelfachfrau. Sie absolvierte ihre Berufsausbildung in einem deutschen 5-Sterne-Luxushotel und war anschließend mehrere Jahre im Hotelwesen beschäftigt. Nach einem längeren Aufenthalt in Westafrika schloss sie ein Studium der Politikwissenschaft an. Heute arbeitet sie in Berlin als Universitätsdozentin und freie Trainerin hauptsächlich zu Afrika und interkultureller Kompetenz…

Artikelbild: Rohappy/ Shutterstock

4 Kommentare

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