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1950 arbeitete er noch als Platzanweiser für Kinogäste. 60 Jahre später hat Elvis Presley nicht an Popularität verloren. Für die Wirtschaft ist er eine attraktive Einnahmequelle. Jan Thomas Otte berichtet…

Ob Verlage oder Konzerne, Karrieren als Blumenverkäufer oder Elvis-Doppelgänger: Auch heute lässt sich mit dem Kult um den King noch gutes Geld verdienen. Seit dem Landgang des amerikanischen Rock ’n’ Roll-Stars in Deutschland lebt der Sänger mit dem legendären Hüftschwung weiter. Nicht nur bei Fans im Familienalbum.

„Während Elvis bei uns war, kamen immer wieder neue Singles heraus“, sagt Kai Bogdanow, Elvis-Fan mit Leib und Seele aus Bad Nauheim. Diese Single-Serie aus Deutschland sei eine clevere Strategie von Elvis-Manager Colonel Parker gewesen, damit Elvis auch nach seinem Wehrdienst in Amerika begeistert empfangen wird.

Elvis Presley war vom 1. Oktober 1958 bis 2. März 1960 in Friedberg (Hessen) stationiert. Während dieser anderthalb Jahre wohnte der King of Rock ’n‘ Roll in der Villa Grunewald in Bad Nauheim und in den letzten zwölf Monaten in einem gemieteten Bad Nauheimer Privathaus in der Goethestraße 14. Privat lernte Elvis in Bad Nauheim die damals erst 14-jährige Soldatentochter Priscilla Beaulieu kennen, die er 1967 heiratete.

Mit dem Kult, Stil und Spirit Elvis als Double leben

In Deutschland gibt es rund ein Dutzend Elvis-Interpreten, die professionelle Bühnenshows mit den Liedern des Originals anbieten. „Dazu kommen mehr als hundert Nebenberufler“, weiß Elvis-Double Stephan Brandhuber. Dieser kommt als Aaron, Elvis’ Zweitnamen, dem Original optisch und stimmlich sehr nahe.

Elvis zum Anfassen, auch 30 Jahre danach. Zum finanziellen Überleben reicht ihnen der Job meistens auch. Mit rund 250 produzierten Halb-Playbacks reicht Aarons Show „The Spirit Of Elvis“ auf Stadtfesten und Festivals von stilechtem 50er-Rock ’n’ Roll, 60er-Balladen für den Fan des klassischen Elvis über die legendäre Las-Vegas-Ära der 70er bis hin zu aktuellen Remixversionen von heute. Die begeistern vor allem das jüngere Publikum:

Koteletten, Freak-Kultschals und bunten Elvis-Kostüme

Seine Frisur trägt Brandhuber zwischen den Auftritten auch privat: „Da kommen schon mal meist nette Bemerkungen im Supermarkt“, gibt der Elvis-Interpret mit einem Lächeln zu. Trotz eines Elvis-Lebens auf der Bühne ist Stephan Brandhuber privat alles andere als ein verrückter Elvis-Freak.

Auf der Bühne verkörpert er als „Aaron“ gerne das Original, „allerdings mehr auf eine spielerische Art und ganz und gar nicht im Privatleben“. Auch seine Wände zu Hause sind nicht mit Elvis zugekleistert: „Das brauche ich nicht, weil ich ihn im Herzen trage“.

Lediglich ein kleines Bild von ihm hängt neben dem CD-Regal im Wohnzimmer des gelernten Maschinenschlossers.

Cleveres Marketing mit 20.000 Souvenirs bei E-Bay

Die Südstaaten-Metropole Memphis verdient als Elvis’ größte Wirkungsstätte nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr allein mit dem Elvis-Tourismus. Dieser schafft knapp 37.000 Arbeitsplätze.

„20.000 Erinnerungsartikel“

Fast jede freie Fläche in Freizeit und Beruf wurde mit Elvis bedruckt und wird bis heute weltweit vertrieben. So werden insgesamt knapp 20.000 Erinnerungsartikel täglich zum Verkauf angeboten. Ob im Internet bei E-Bay oder einem renommierten Auktionshaus:

Platten, Autogramme und Andenken werden auch im Kleinanzeigenmarkt verkauft, darunter Elvis-Originale wie seine Hose, ein Gürtel oder die goldene Sonnenbrille. Kürzlich wurde erst seine letzte Haarsträne versteigert.

Glamour nach Elvis Presleys Tod und Erinnerungs-Konzerte

Für kritische und preisbewusstere Kunden, die an der angepriesenen Echtheit mancher Elvis-Originale zweifeln, werden alltagstaugliche Souvenirs in allen Variationen verkauft.

Die Nachfrage am riesigen Elvis-Sortiment ist in 30 Jahren nicht gesunken. Ob sein letztes Konzert oder das 50-jährige Jubiläum von Elvis’ Deutschlandbesuch 2008:

„Es gibt immer wieder Festtage und Anlässe, an denen das Geschäft neu angekurbelt wird“, freut sich der Betreiber eines Online-Shops. Denn viele Fans laufen mit einem Elvis-T-Shirt auf der Straße.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wurde sogar das erste Elvis-Presley-Telefon vorgestellt, auf dem eine kleine Elvis-Statue aus Plastik zu „Jailhouse Rock“ mit den Hüften wackelt.

Aber es geht auch majestätischer: In Bad Nauheim ist eine große Elvis-Statue in Stein zu bewundern. Zu Lebzeiten sagte Elvis bloß: „Die Fans wollen nur ein kleines Stück von mir“.

Werbung von Audi als Wackel-Elvis, Gewinne in Millionen-Höhe

Auch die großen Wirtschaftskonzerne profitieren vom Rock ’n’ Roll-König und machen mit ihm als berühmten, aber auch flexibel einsetzbaren Werbehelden Gewinne in Millionenhöhe. Der Autohersteller Audi warb 1998 mit einem Wackel-Elvis an der Windschutzscheibe für den neuen A4.

In der italienischen Modemetropole Mailand posierten die Models von Dolce & Gabbana zu den größten Hits von Elvis – allerdings ohne seine bunten Kostüme. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Korea brachte der Sportschuhhersteller Nike in einem Werbespot den damals noch unbekannten Elvishit „Little Less Conversation“.

Dieser Re-Mix ist bis heute vor allem bei Jugendlichen ein Renner, die nicht mit Rock ’n’ Roll aufgewachsen sind. „Ein Hammer bei jedem meiner Events“, sagt Elvis-Interpret Brandhuber.

Elvis-Enthüllungen schaffen Aufmerksamkeit und Umsatz

Kaum jemand wird im Internet mit hunderten Fanclubs weltweit mehr gewürdigt als Elvis. Eine Webcam zeigt, was es gerade auf Graceland zu sehen gibt. Nicht sichtbar, aber kaum zu übersehen:

Auf manchen Webseiten wird sogar über seltsame Elvis-Erscheinungen berichtet. Bei der Geburt eines Kindes, der ersten Mondlandung, acht Jahre vor Elvis Tod oder bei den Olympischen Spielen in Athen 2004.

Es gibt sogar einen amerikanischen Fanclub, der per Stammzellentransfer und Klonen Elvis Presley wieder zum Leben erwecken will.

Für seine Fans bleibt der „echte“ Elvis bis heute die unendliche Geschichte eines Allrounders, der noch heute offen für jede denkbare Interpretation ist.

Die Medienaufmerksamkeit einer neuen Enthüllungsbiographie über den wahren Elvis ist garantiert.

Meister des Kopierens, Cover-Gesangs und Interpretierens

Mit heute geschätzten drei Milliarden verkauften Schallplatten und Bildbänden ist Elvis Presley noch immer einer der ganz Großen der Musikgeschichte. „Er wurde zum Opfer seines eigenen Erfolgs“, erklärt Professor Michael Rappe an der Musikhochschule Köln.

Für jene, die nicht vom Kult um seine Person profitieren können, bleibt Elvis ein ordinärer Prolet und Meisterdieb. Denn er sang aktuelle Hits von Neil Diamond, den Beatles sowie Simon & Garfunkel.

Sam Philipps, Gründer der Plattenfirma Sun Records, sagte einst: „Wenn ich einen Weißen mit schwarzem Sound und schwarzem Feeling fände, könnte ich eine Milliarde Dollar verdienen“. Stephan Brandhuber hat dies zwar noch nicht erreicht, hat aber Spaß an seinem Job.

Artikelbild: Arina P Habich/ Shutterstock

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