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Ob Öko-Werbung oder Bio-Siegel auf der Verpackung im eigenen Kühlschrank. Ökologisches Umweltbewusstsein steht in deutschen Haushalten hoch im Kurs…

[dropcap]D[/dropcap]er Dioxin-Skandel bescherte dem Biomarkt verdoppelte Umsätze, vom Emsland bis ins Allgäu. Die Konsumenten ernähren sich bewusster. Nahrungsmittel wie Butter, Quark und Käse: Der Bio-Umsatz mit diesen Produkten wächst zweistellig. Kontrollierte, biologische und regionale Produkte sind überdurchschnittlich gefragt. Mehr als das Marktangebot hergibt.

Denn es wirkt wie ein heiles Stück Welt, dieser Bio-Bauernhof, umgeben von dicken Bäumen auf den grünen Auen nahe dem niedersächsischen Bückeburg. Ernsthaft um den Arbeitsplatz sorgen musste sich hier noch niemand. Hände, die anpacken wollen, werden hier gebraucht. Lebensmittelskandale kennt man aus dem Fernsehen, nicht im Kuhstall. Und gut leben lässt es sich mit einem Bauernhof auch.

Das Gehöft von Hans-Jürgen und Waltraud Hornung produziert ausschließlich Erzeugnisse aus rein biologischem Anbau. Bei dem harten Wettbewerb von Bauern und Nahrungsherstellern um billigere, ertragseffizientere Nahrungsmittel hat man hier erst gar nicht mitgemacht.

Was man isst, ist man – ein geflügeltes Wort

Stattdessen geht hier alles ganz natürlich zu. Zwischen freilaufenden Hühnern, ein paar Pferden, einem Esel, dem Ententeich, den überschaubaren bewirtschafteten Äckern und Feldern.

Gemäß dem biologischen Kreislauf der Natur wird hier angebaut, denn regionale Herkunft ist wichtig im Bioland.

Die Nachfrage in der Region ebenso. Ob auf dem Wochenmarkt der Stadt Bückeburg, dem dort belieferten Naturkostladen „Zauberkorn“ oder eigenem Vertrieb in der umgebauten Scheune.

Hornungs Kunden kommen regelmäßig, einige von ihnen schon seit über zwanzig Jahren. „Was man isst, ist man doch auch irgendwie“, sagt eine Kundin im Hofladen. Und besser schmecken tun ihr die gesunden Karotten auch. Auch im Allgäu:

Bio-Produkte liegen als „Lifestyle“ im Trend

Lange Zeit kaufte man in Deutschland Bio-Produkte aus rein ideologischen Gründen. Etwas für die Umwelt tun, bis heute das Hauptmotiv für den Kauf von Biolebensmitteln. Das habe mit der Schonung von Tieren und Pflanzen zu tun.

Das wachsende Interesse an Biolebensmitteln beruhe aber vor allem auf der Erkenntnis, dass „jeder Verbraucher für seine Mittel zum Leben auch selber verantwortlich“ ist, erklärt Bioland-Präsident Thomas Dosch.

Heute gehe es, nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, zunehmend um das individuelle Wohlbefinden, die „Selbstverwöhnung“ des Kunden, sich mit einem höheren Lebensstandard etwas Gutes zu gönnen.

Seit zwei Jahren beobachtet man den Trend der sogenannten „Biowelle“ zwischen Markt und Verbraucher. Vermehrte Fettleibigkeit und Klimakatastrophen würden diesen Trend in den Industriestaaten fördern. Auch im Emsland:

Bio-Trend in Marktforschung

Momentan geben nach GfK-Angaben 46% der Konsumenten an, mehr auf die Qualität ihrer Lebensmittel zu achten, 54% orientieren sich weiterhin am Preis – der in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken ist.

1997 waren es nur ein Drittel aller Verbraucher, die sich bewusster ernährten, erklärt Pressesprecher Wolfgang Twardawa von der GfK.

Der Anteil der Konsumenten wird nach GfK-Ermittlungen bis zu 75% steigen. Nur 25% aller Verbraucher würden angeben, sich teurere Lebensmittel nicht leisten zu können. Für Marktforscher ist das in Zeiten der Krise ein echtes Wachstum.

Es sei eine „Fehlentwicklung der letzten 20 Jahre“, dass Milch im Supermarkt billiger als Limonade ist. Nur noch durchschnittlich 11% des privaten Budgets gebe man derzeitig noch für Lebensmittel in Deutschland aus.

Während die Käufer gleichzeitig ihr Geld anstandslos in teurer werdende Autos und Flugreisen investieren, sagt der Konsumexperte.

Trotzdem: Nur wenige Verbraucher beschweren sich bisher über die teurer gewordenen Lebensmittel. Der Preis dafür müsse aber nachvollziehbar bleiben, sagt Twardawa. Dass ökologische Ernährung seinen Preis habe, sei fast jedem Kunden bewusst.

Preis entscheidet das Bio-Produkt

Nach der Einschätzung der Lebensmittelverbände begreifen immer mehr Kunden, dass qualitativ hochwertige Lebens-Mittel auch ihren Preis haben.

Die sogenannte „Geiz ist Geil“-Mentalität ist für Ökologen wie Thomas Dosch mit ein Grund für die jüngsten Lebensmittelskandale um Döner-Gammelfleisch oder Rückstände von Antibiotika und Pestiziden auf dem Mittagstisch.

Andreas Greiner arbeitet bei Ökokonsult in Stuttgart, einer ökologischen Ernährungsberatung. „Bei der Entscheidung für Bio spielt der Preis aber immer noch die größte Rolle“, erklärt der Bioexperte mit seiner Erfahrung in Kursen für gesunde Ernährung – bereits in Kindergärten und Schulen.

„Der Einzelhandel in Deutschland ist seit Jahrzehnten eine nationale Inflationsbremse“, kritisiert Metro-Pressesprecher Martin Brüning. Die Kunden profitieren dabei vom harten Wettbewerb.

Die Butter macht es deutlich: Auch nach der Verteuerung auf durchschnittlich 1,19 Euro liegt der Preis immer noch unterhalb des Niveaus Anfang der 80er Jahre.

Trotz der aktuell steigenden Preise für Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke gehören diese Preise zu den günstigsten in Europa.

Sichtweise! Jan Thomas Otte isst gerne Bio-Produkte, vor allem Äpfel, Möhren und – natürlich – auch vollwertig ökologische Eier, aus Freilandhaltung, versteht sich. Hofft aber, dass wenn Bio drauf steht auch Bio drin ist…

Artikelbild: © NicoLeHe/ pixelio.de

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Jan Thomas Otte

Jan Thomas Otte ist chronisch neugierig. So studierte er Theologie – der Weg zum Pfarrer, machte eine Journalistenausbildung und dann zog es ihn in die weite Welt, ins Geschäft einer internationalen Beraterfirma. 2010 gründete er diese „Karriere-Einsichten“…

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